[draɪʃtat]

let’s do this!

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Es könnte alles so einfach sein. Vor den Greenscreen setzen, XSplit anwerfen, ein wenig zocken und damit Menschen auf twitch unterhalten.

Ist es auch, theoretisch. Trotzdem, nach drei Jahren ist für mich bis auf weiteres Feierabend. Da ich eine Menge wundervoller Menschen kennengelernt habe schreibe ich zum Einstand meines Blogs diesen Beitrag, der das Warum erklärt. Das bin ich euch schuldig, und ich will auch nicht einfach so in der Nacht verschwinden.

Der Weg bis hier

Am 15. April 2015 fing ich an zu streamen, zumindest ist das das früheste Datum, zu dem ich noch Daten habe. Seinerzeit nicht auf twitch, sondern hitbox.tv, das mittlerweile von smashcast gekaut wurde. Der Grund anzufangen war recht simpel. Eine Freundin von mir, battlechriden, hatte mich gebeten sie per Stream etwas zu unterhalten.

Im Mai 2016 folgte dann der Wechsel zu twitch.tv, aus mehreren Gründen. Zum Einen gab es technische Limitierungen an die ich mich nicht mehr genau erinnern kann. Zum Anderen glaubte ich nicht an die Zukunft von hitbox, was sich am Ende als richtig erwiesen hat.

Bis heute sind das drei Jahre als Streamer. Immer als Hobby, ohne Anspruch auf Professionalität. In den Spitzenzeiten hatte ich auf hitbox um die 30 Zuschauer im Stream, auf twitch am Ende in der Regel weniger als sieben. Das ist eine recht deutliche Abnahme an Zuschauern, obwohl die Qualität meines Streams immer weiter zunahm. Besseres und teureres Equipment, schnelleres Internet. Erst neulich habe ich nur für den Stream einen neuen PC angeschafft.

Und hier bin ich. Alles fertig und bereit, ich habe die Ausrüstung und doch, momentan möchte ich nicht streamen.

In diesem Beitrag möchte ich erklären warum das so ist und wie es weitergeht.

Good old times

Aber zuerst möchte ich beschreiben, warum ich überhaupt so lange gestreamt habe. Immerhin ging es mir nicht um Geld oder fünfzehn Minuten Ruhm.

3stadt als Tevje in Anatevka

3stadt als Tevje in Anatevka

In meiner Schulzeit war ich begeisterter Laienschauspieler. Nach der Schule höre ich damit auf, ich wollte programmieren und als Hobby war es mir zu zeitaufwändig. Dennoch mag ich die das Gefühl auf der Bühne bis heute. Mittlerweile trete ich beruflich als Sprecher auf Tech-Konferenzen auf und halte mein Gesicht in die Kamera. Beides Dinge, die mir sehr viel Spaß machen. Der Stream passte da sehr gut rein. Es ist eine Art des öffentlichen Auftritts und man hat einen sehr direkten Draht zum Publikum.

Es ist toll mit euch Menschen zu reden und zu wissen, dass ihr Spaß bei dem habt, was ich euch präsentiere. Wenn der Chat aktiv ist und ich merke, ich kann euch auf eine kleine Reise mitnehmen macht mich das fröhlich.

Und nur um das noch mal zu betonen, die drei Jahre waren super. Ich mag meine Viewer, die alten Hasen natürlich besonders. Aber auch die neuen Gesichter, die irgendwann dazugestoßen sind.

Soweit alles gut, warum nun also die Entscheidung, den Stream auf unbestimmte Zeit zu beenden? Kommen wir zu Teil zwei.

The bad

Die Essenz des Folgenden ist: Es macht mir keine Freude mehr zu streamen.

Es gibt mehr als einen Grund, erst die Summe hat die Entscheidung gebracht. Und niemand ist schuld.

Die liebe Technik

Seit einiger Zeit gab es dauernd Probleme mit der Technik. Falls Du es nicht weißt, ich benutze ein Setup mit zwei PCs. Warum? Weil ich einen recht leistungsstarken Laptop hatte, der aber irgendwann nicht für spielen + Stream reichte. Also habe ich einen günstigen Rechner zum Spielen gekauft, einen HDMI Grabber und habe den Laptop zum Streamen genutzt.

Irgendwann hat der Laptop den Geist aufgegeben. Also einen günstigen PC als Ersatz gekauft. Wobei günstig hier relativ ist, gemessen an dem, was ein potenter Rechner der aktuellen Generation gekostet hätte.

Mit dem neuen Rechner klappte es aber auch nicht. Ständiges Bildstottern und Ausfälle. Warum weiß ich nicht, meine letzte Vermutung war, dass es mit dem Arbeitsspeicher zu tun hatte.

Das wäre allein noch okay gewesen. Ich kann ja auch nur einen Rechner nehmen und dafür grafisch weniger hungrige Spiele nutzen.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund…

Zuschauer

Ich habe immer gesagt, ein Zuschauer reicht. Sobald ich einen Menschen unterhalten kann ist alles gut. Das stimmt so auch. Nur wenn man wie ich sehr wenige Follower hat ist am Ende auch mal einfach niemand da und das fühlt sich schlecht an. Dafür kann niemand was, mein Stream ist kein Pflichtfach in der Schule. Er ist einfach Unterhaltung. Wenn jemand unterhalten werden will und ich streame gerade, alles gut. Und ich bin nicht gerade die neueste Folge von Game of Thrones.

Zu hitbox Zeiten habe ich deutlich öfter gestreamt als in den letzten zwei Jahren und das macht sich bemerkbar. Weniger oft streamen bedeutet weniger Follower bedeutet weniger Menschen die potentiell Zeit haben, wenn ich streame.

Um also immer einen aktiven Chat zu haben müsste ich öfter und regelmäßiger streamen. Kann ich im Moment allerdings nicht. Auch das ist an sich noch kein Beinbruch und würde sich beheben lassen. Und es ist auch nicht so, dass ich ständig vor einem leeren Saal gestreamt habe. Einige meiner Zuschauer waren immer da.

Was zum nächsten führt.

Spielauswahl

Einer der ältesten Zuschauer hat sich irgendwann verabschiedet, weil der Stream ihm nicht mehr gefiel. Alles gut, kann passieren. Auch wenn so etwas immer traurig ist. Vor kurzem hat dann im 3stadt Telegram Chat eine weitere Zuschauerin ihren Abschied angekündigt, mit sehr lieben Worten.

Es ging um die Spielauswahl. Ich spiele momentan sehr gerne und fast immer Dead by Daylight, was manche einfach nicht so sehr mögen.

Natürlich kann ich auch andere Spiele spielen, nur: Wenn es mir wenig Spaß macht, geht es dem Publikum genauso. Trotzdem habe ich schon umgestellt, denn Dinge wie zum Beispiel der Witcher sind ja doch toll.

Unter dem Strich war aber die Kombination aus geringer Reichweite und falscher Spielauswahl wohl das, was den Unterschied bei der Zuschauerzahl ausgemacht hat. Dazu sei gesagt, ich habe auf hitbox mit Zelda angefangen. Eine Spielereihe, die eine kleine, aber sehr fanatische Fangemeinde um sich schart. Zumindest der fanatische Kern ist klein.

Zusammenspiel

Wenn ich nun also vor meinem Greenscreen sitze und weiß es funktioniert alles nicht richtig und was ich spiele ist für die meisten uninteressant dann fällt es mir schwer, den Stream anzumachen. Das ist alles nicht schlimm. Ich bin weder traurig noch böse, lediglich die Konsequenz ist, dass ich es erst einmal sein lasse.

Warum ich den ganzen Sermon hier überhaupt schreibe ist derselbe, aus dem die besagte Viewerin einen langen Text zum Abschied verfasst hat: Ich mag euch Zuschauer und ich glaube ihr solltet wissen was auf der anderen Seite des Bildschirms so passiert.

The future

Ich werde irgendwann wieder streamen. Es wird anders werden, vielleicht sogar auf Englisch. In jedem Fall werde ich sehr sicher keine Spiele mehr zeigen, es etwas aus der Kategorie “Creative” sein.

Ich habe aktuell zwei Ideen dazu, für beide brauche ich aber Zeit um zu entscheiden ob ich es mache und wenn ja in welchem Format und vor allem: Ob ich mich traue.

Es ist recht einfach sich beim Spielen zu filmen und dabei lustig zu machen. Wenn man etwas kreatives tut, ist es immer irgendwo Herzenssache. Von daher, ich weiß nicht was die Zukunft bringt, aber irgendwann wird es wieder einen Stream geben. Und wer weiß, vielleicht ist der Inhalt ja etwas, das Dich unterhält.

Danke

Wo wir dabei sind: Danke an die, die bis hierher mitgemacht haben. Danke für die Subs, danke für die Anwesenheit und danke für die Aktivität im Chat. Ich hoffe der ganze Text hier klingt nicht traurig oder verbittert. Ich hatte eine sehr schöne Zeit mit euch und ich bin dankbar, dass ihr da wart. Es war ein wunderbares Abenteuer.


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